Leistungsbeschreibung der RAZZ FAZZ Jugendberufshilfe Diepholz für
junge Leute
Eine Initiative des Kirchenkreises Grafschaft Diepholz
Razz Fazz Jugendberufshilfe
Projektbeschreibung eines neuen Beratungsansatzes
Razz Fazz Jugendberufshilfe
Eine Einrichtung des Ev. Kirchenkreises Grafschaft Diepholz
Die Razz Fazz Jugendberufshilfe ist ein vom dem Ev. Kirchen-
Kreis Grafschaft Diepholz gefördertes
Projekt zur beruflichen Integration junger
Menschen
Razz Fazz Mitarbeiter ist: B. v. Bodelschwingh, Dipl.- Sozialpädagoge
Razz Fazz wendet sich an: Jugendliche und junge Erwachsene, die
- Fragen und / oder Sorgen haben, über die sie
vertraulich sprechen möchten,
- bisher noch keinen Ausbildungs- oder
Arbeitsplatz gefunden haben,
- arbeitslos sind,
- noch keine konkreten Vorstellungen über ihre
berufliche Zukunft haben.
Razz Fazz hilft durch:
- Bewertung der aktuellen Situation
- Klärung aktueller Probleme
- Unterstützung bei der Suche nach einem Aus-
bildungs- oder Arbeitsplatz,
- Hilfe bei der Erstellung der Bewerbungs-
unterlagen,
- Üben von Vorstellungsgesprächen,
- eingehende Beratungsgespräche,
- sozialpädagogische Betreuung vor, während
und nach einer beruflichen Maßnahme.
Razz Fazz Partner sind: - das Arbeitsamt, Sonder-, Haupt- und berufs-
bildende Schulen, die Dienste des
Diakonischen Werkes, Arbeitgeber, freie
und öffentliche Träger der Jugendhilfe,
außerbetriebliche Ausbildungsstätten,
Beratungsstellen für verschiedene
Problembereiche.
Razz Fazz Jugendberufshilfe für junge Menschen, Hinterstr. 10, 49356 Diepholz
Mo – Do 9.00 – 16.00, Fr 9.00 – 12.00 Tel.: 05441 545455,
Fax 05441 545456
Internet: www.razzfazz-dh.de, e-mail: razzfazz4@hotmail.de
1.0 Problemstellung
Jugendarbeitslosigkeit erzwingt die besondere Aufmerksamkeit der
Träger sozialer Dienstleistungen in der Gesellschaft und insbesondere
der Kirchen. Eine Jugend ohne die Perspektive, daß das eigene
Tun sinnstiftend ist, nachgefragt wird und damit Identifikation mit
den eigenen Fähigkeiten und Chancen ermöglicht, wird stagnieren
sich nicht entwickeln und den Nährboden für die Gefährdung
des sozialen Friedens darstellen.
Arbeit gehört damit zu den Grundbedürfnissen des Menschen,
die da sind :
Gemeinschaft, Wohnung, Nahrung, Erholung und Arbeit.
Man stelle sich diese Grundbedürfnisse wie ein Säulenmodell
als ein Fundament vor. Ist eine dieser Säulen so beschädigt,
daß sie wegbröckelt, so wird die Basis auf dem ein Mensch
seinen Weg gehen kann, mit zahlreichen Schlaglöchern versehen.
Ein Mensch ohne Wohnung ist massiv in der Sicherung der weiteren
Grundbedürfnisse behindert.
Das gilt im besonderen auch für die Arbeit.
Arbeit, als ein fundamentales Grundbedürfnis des Menschen, verdient
es genauer betrachtet zu werden:
Frau Prof. Dr. Keil sagte anläßlich des Neujahrsempfangs
1999 der Stadt DH:
"Eigenverantwortung ist die Antwort, die Leben heißt. Sie ist immer
Mitverantwortung.
Und das verlangt Arbeit. Arbeit in einem umfassenden Sinn: Wer sich nicht austauscht
und auf die Dinge zu bewegt, die er braucht, wird sterben, sich nicht entwickeln,
stagnieren.
Das körperliche Leben und Überleben braucht ebenso Arbeit wie das
seelische, geistige und soziale Leben. In diesem Sinne ist unsere Lebensexistenz
eine Arbeitsexistenz"
So beschränkt sich Arbeit nicht nur auf die Sicherung des Lebensunterhaltes,
sondern ebenso auf die Erhaltung der sozialen Kontakte, der geistigen
Arbeit, die eigene Möglichkeiten vor Augen führt und die
seelische Arbeit, die das emotionale Gleichgewicht positiv beeinflussen
hilft.
Die Arbeit zur Sicherung des Lebensunterhaltes steht in direkter
Verbindung zum Erkennen der eigenen Stärken und Schwächen
und dem psychischen und physischen Wohlbefinden.
Arbeit als Grundbedürfnis betrifft im besonderem Maße
junge Menschen. Arbeit ist, wie eingangs erwähnt, nicht nur
der Broterwerb, sondern gleichsam die Entwicklung einer eigenen Zukunftsperspektive.
Ist die Planung der Perspektive durch unterschiedliche Faktoren behindert,
wirkt sich dies sehr negativ auf die zu gestaltende Zukunft des Individuums
aus.
Der junge Mensch verlernt es, seine eigenen Fähigkeiten auszuschöpfen.
Mit jedem Tag, der er der Passivität ausgeliefert ist, verliert
er die Fähigkeiten seiner Leistungskompetenz und wird zunehmend
fremdbestimmt.
Benachteiligte Jugendliche sehen wir in diesem Zusammenhang in riskanten
Lebenslagen.
Die Benachteiligung ist nicht an einem Hindernis festzuschreiben,
wenngleich eine Problematik dominierenden Charakter aufweist.
In der Regel liegt eine Problembündelung vor:
- Problembeladenes Elternhaus,
- Schulverweigerung
- kein Schulabschluß
- Ausbildungsabbruch
- Suchtproblematik
- Erfahrungsarmut
- Unselbständigkeit
- Perspektivlosigkeit: Motivation und das Vertrauen in die eigenen
Chancen und
Möglichkeiten werden verlernt.
- Institutionalisierung: Die Akzeptanz der Alimentierung vom Sozialstaat wird
mit
fortdauernder Perspektivlosigkeit höher,
- Behinderungen: körperlich, geistig, seelisch
- sehr junge Elternschaft,
und vieles mehr.
Ein gemeinsames Merkmal benachteiligter junger Menschen ist ihre
Erfahrungsarmut und ihre mangelnde soziale Kompetenz in fast allen
Bereichen: sei es der Umgang mit Handwerkszeug und Werkstoffen, die
Kenntnis der Natur, die Erfahrung von Familien- und Gruppenleben
oder kreativer Beschäftigung.
Benachteiligte Jugendliche bringen hier Defizite mit, die sie in
dem herkömmlichen dualen System der Ausbildung scheitern lassen.
Probleme, die sich ihnen auf ihrem Weg stellen, wird mit Lösungen
begegnet, die nicht geeignet sind um in dem Arbeitsprozeß weiter
zu bestehen.
Es werden eher destruktive Ansätze gewählt, die sich in
den Bereichen des Konsumismus, der Gewaltbereitschaft, im Drogenkonsum
und im Rechtsradikalismus wiederfinden.( vgl. Bojanowski 1995)
Jugendberufshilfe muß Unterstützung zur Bewältigung
der anstehenden Anforderungen an den jungen Menschen auf seinem Weg
zum eigenverantwortlich geführten Leben leisten.
Bewältigung soll dabei definiert werden: als das Bemühen
sich mit einer fordernden Situation produktiv auseinanderzusetzen
.( Hurrelmann, 1989)
In der eineinhalbjährigen Beratungstätigkeit sind insbesondere
junge Menschen aufgefallen, die von sich aus nicht in der Lage sind,
aktiv zu werden.
es sind junge Leute, ca 15 - 25 Jahre alt, die den Tag in der Regel
vor dem Fernseher oder der Playstation verbringen.
Das bedeuted, das angesichts der erwähnten Defizite pädagogische
Interventionen notwendig werden, die das Ziel verfolgen, die Beeinträchtigungen
im Entwicklungsprozeß aufzuheben. Die Interventionen sollen
die personale und die soziale Identität sichern. das heißt:
Unterstützung muß beim Aufbau der indiviuduellen Persönlichkeitsstruktur
sowie bei der
Aneignung einer anerkannten gesellschaftlichen Mitgliedsrolle geleistet
werden.
Die Jugendlichen brauchen Hilfe in der Ausbildung der sozialen Kompetenzen:
- der Leistungskompetenz. insbes. die schulischen und beruflichen
Fertigkeiten,
- die Interaktionskompetenz: insbes. der Aufbau sozialer Beziehungen,
- die politische Kompetenz; insbes.. der Aufbau der politischen werte
und Normen,
- der Konsumkompetenz: insbes. die Nutzung des Konsumwaren- und kulturellen
Freizeitmarktes.
Hier ergibt sich eine strukturelle Spannung:
Benachteiligte junge Menschen haben einen relativ hohen Autonomiegrad
in den Konsumkompetenzen, während sie einen niedrigen Autonomiegrad
bei der Sozial-, Politik-, und Leistungskompetenz aufweisen.
Dies wird noch verstärkt durch die drohende Blockierung während
des Übergangs in die zentrale Rolle des Erwerbstätigen.
Durch die eingeschränkten Handlungskompetenzen werden untaugliche
Problemlösungen angestrebt, die unter Umständen zu dissozialem
Verhalten führen.
Besonders problematisch gestaltet sich unter diesen Gesichtspunkten
der Übergang von der Schulzeit in die Berufslaufbahn. In dieser
Phase sind benachteiligte junge Menschen auf Unterstützung angewiesen.
Das Interventionspotential stützt sich auf zwei Säulen:
Die individuelle Fähigkeit des Jugendlichen sich mit den Lebensanforderungen
und Belastungssituationen konstruktiv auseinanderzusetzen und
die soziale Unterstützung, d.h. die verfügbaren Ressourcen
der Umwelt die durch Familie, Freunde und professionelle Beratung
geleistet werden kann.
2.0 Zielgruppe
Arbeitslose junge Menschen im Südkreis Diepholz
Im Landkreis Diepholz waren im Dezember 1999 Diepholz ca.650 junge
Menschen unter 25 Jahre von Arbeitslosigkeit betroffen. ( Statistik
des Arbeitsamtes Nienburg) Dies sind ca 9,5 % aller Arbeitslosen
im Landkreis. Dem Sozialamt des Landkreises sind zum 01. April 2000
607 junge Menschen von 16 – 25 Jahren bekannt. 512 beziehen
Hilfe zum Lebensunterhalt. ( Auswertung des Landkreises Diepholz,
Herr Kiwitt)
Die jungen Menschen sind oft mit vielen Problemen belastet, die
eine Arbeitsaufnahme oder den Beginn einer Ausbildung behindern.
In der Razzfazz Jugendberufshilfe haben wir eine Statistik zusammengestellt,
die deutlich macht, dass ein Großteil der jungen Menschen Vermittlungshemmnisse
auf weist:
2.1 Die soziale Problematik der Bewerber
Jede, jeder hat einen sehr individuellen Lebenslauf, der sehr individuelle
Beratung notwendig macht.
3.0 Handlungsbedarf
Handlungsbedarf besteht angesichts dieses enormen Bedarfes.
Die sich ergebenden Aufgabenfelder lassen sich folgendermaßen
definieren:
3.1 Aufsuchen:
Zentrales Moment der Jugendberufshilfe ist die aufsuchende Arbeit.
Es geht darum junge Menschen in den allgemeinbildenden und berufsbildenden
Schulen, den Jugendzentren und Treffs direkt anzusprechen und so
Zugänge zu ihnen zu erarbeiten.
3.2 Beraten:
Mit den jungen Menschen werden die persönlichen Ziele definiert
und Lösungsmöglichkeiten beraten
3.3 Begleiten:
Die jungen Menschen werden im Rahmen der Einzelfallhilfe auf ihren
neuen Wegen unterstützt.
4.0 Ziele:
Die Jugendberufshilfe versteht sich als arbeitsweltbezogene Jugendsozialarbeit.
Die Suche nach dem geeigneten Weiterbildungs- Ausbildungs-, oder
Arbeitsplatz steht im Vordergrund. Wie bereits eingangs erwähnt,
hat dies maßgebliche Auswirkung auf die Verbesserung des
persönlichen Wohlbefindens, der Handlungskompetenz und des
Selbstwertgefühls des Jugendlichen.
Ziel ist aber auch: sozial effektive Rahmenbedingungen zu schaffen
durch ein präventives und kooperatives Netzwerk.
D.h. Zusammenführen der an der Jugendarbeit beteiligten Akteure
mit den Vertretern Schulen, Kreisverwaltung, der Arbeitsverwaltung,
den Verbänden, und den sozialen Dienstleistungen.
5.0 Inhalte, Methoden
5.1 Aufsuchende Jugendsozialarbeit
Die aufsuchende Arbeit ist das Medium der Jugendberufshilfe. Es ist
ein bewußt sehr niedrigschwelliges Angebot. Die Vor- Ort-
Beratung schafft zusätzliche Zugänge zu den besonders
benachteiligten jungen Menschen. Damit können sie zu einer
aktiven Mitarbeit zur Erarbeitung einer Berufperspektive nachhaltig
aufgefordert werden.
5.2 Sozialpädagogische Diagnostik
Die Jugendberufshilfe ist ein neutrales Angebot. Die Mitarbeiter
unterliegen der Schweigepfilcht. So kann mit den jungen Menschen über
die zentralen Probleme und Hemmnisse gesprochen werden, ohne dass
für sie daraus Nachteile entstehen könnten. Damit lässt
sich ein genaues Bild des Ist - Zustandes entwickeln.
Ziel der Diagnostik ist es, greifende pädagogische Entscheidungen
für den einzelnen jungen Menschen zu gestalten. Im Umgang mit
dem Betroffenen ergibt sich damit die Möglichkeit Hinweise zu
erhalten, in welcher konkreten Lebenssituation und mit welcher ungelösten
Lebensaufgabe ein junger Mensch belastet ist.
5.3 Erarbeitung einer Perspektive
Zusammen mit dem Jugendlichen wird ein Förderplan erstellt,
der die Ergebnisse der Diagnostik aufgreift und eine individuelle
Perspektive aufzeigt.
Dies kann der Beginn einer Ausbildung sein mit Unterstützung
des Arbeitsamtes und einer Jugendwerkstatt aber auch der Weg in eine
Maßnahme des Arbeitsamtes mit begleitender Unterstützung
in dieser Zeit oder die konkrete Suche mit Hilfe des Arbeitsamtes
nach einem Arbeitsplatz z. B. im Bereich der Produktionshelfer.
Das Arbeitsamt mit seinen Möglichkeiten zur Eingliederung in
das Ausbildungs- und Beschäftigungssystem übernimmt in
diesem Prozeß eine zentrale Funktion.
In der ersten Gesprächen durchlaufen die jungen menschen ein
Motivationstraining:
5.3.1. Selbständigkeit zurückgewinnen
Es ist uns wichtig, den jungen Menschen die Freude an Leistung aus
eigener Kraft, am eigenen Tun zu vermitteln. Die jungen Menschen
werden aufgefordert, ihren Lebensunterhalt mit den eigenen Händen
zu erarbeiten. Wir verdeutlichen ihnen die persönliche Autonomie,
die mit einem Arbeitsplatz verbunden ist. Es geht uns darum Fenster
zu öffnen, den jungen Menschen zu zeigen, daß es alternativ
zur staatlichen Unterstützung möglich ist, ein selbstbestimmtes
Leben zu führen. Diese Fenster sind z.B. Gespräche mit
jungen Menschen, die es geschafft haben sich in ihrem Beruf zu
etablieren.. Ein solches Fenster können aber auch Menschen
sein, die in dem anvisierten Beruf arbeiten. Besondere Berücksichtigung
messen wir der Verdeutlichung der eigenen Leistungsfähigkeit
bei, die z.B. in durchlaufenen Maßnahmen des Arbeitsamtes
nachgewiesen wurde.
5.3.2 Entwicklung von Perspektiven
In dieser Phase ermuntern wir die Bewerber, Lebensziele zu benennen
und zu visualisieren. Wir fordern sie auf, sich in ihren Berufswunsch
hineinzuversetzen und ihn zu beschreiben. Wie sehen sie sich mit
diesem Ziel in der Zukunft, wie realistisch ist dieser Beruf, wie
kommt man dorthin.
5.3.3 Verdeutlichung des Ist Zustandes
Es ist uns wichtig, den jungen Menschen ihren derzeitigen Standpunkt
klarzumachen. Es muß ihnen klar werden, in welcher konkreten
Lage sie sich befinden. Wir besprechen die derzeitigen Lebensumstände
und bewerten die Situation.
5.3.4 Erste Schritte
An diesem Punkt klären wir, was ganz konkret unternommen werden
muß, um sich dem benannten Ziel zu nähern. Dies sind in
der Regel sehr kleine Schritte, beispielsweise zunächst der
Besuch im Büro der Jugendberufshilfe, der aus eigenem Antrieb
zu einem festen Termin erfolgt. Erst jetzt können wir konkrete
Schritte zur Wiederherstellung der Möglichkeit einer Arbeitsaufnahmne
angehen. Dies ist die z. B. die Sicherung der Wohnung, der Kontakt
zur Schuldnerberatung, die Zusammenarbeit mit der Suchtberatung.
Erst wenn Bewegung in diesen Prozeß gekommen ist und sich erste
Erfolge zeigen, beginnen wir mit der eigentlichen Umsetzung der notwendigen
Schritte zur Realisierung der beruflichen Perspektive.
Die Motivation junger Menschen nimmt einen besonderen Raum in der
Beratungstätigkeit ein. Die Eigenmotivation ist die entscheidende
Kraft, die die jungen Menschen vorantreibt. Unsere Aufgabe ist es,
sie hier besonders zu stärken.
6.0 Biographischer Ansatz
Das besondere Merkmal der Jugendberufshilfe ist die Unabhängigkeit.
Daher ist es möglich die jungen Menschen über einen langen
Zeitraum zu begleiten. Dies kommt insbesondere dann zum Tragen, wenn
eine Bildungsmaßnahme des Arbeitsamtes beendet ist und zu diesem
Zeitpunkt noch keine neue Anschlussperspektive besteht. So haben
wir die Möglichkeit eine berufliche Karriere zu planen und uns
dabei verschiedenster Möglichkeiten zu bedienen. Dies können
Berufs – und Betriebserkundungen sein, kurze Praktika, Berufsbildungsmaßnahmen
im Rahmen der Bildungsträger, und der Beginn eines Ausbildungs-
oder sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnisses.
Darüber hinaus ermöglicht dieser Beratungsansatz die persönlichen
Schwierigkeiten der jungen Menschen genau zu analysieren und gemeinsam
nach geeigneten Lösungswegen zu suchen. Seit ca zwei Jahren
besteht das Angebot der Jugendberufshilfe. Viele der jungen Menschen,
die angesprochen werden konnten, kommen immer wieder gerne zu uns,
um von ihren positiven oder negativen Erfahrungen in ihrer jetzigen
Situation zu berichten. Natürlich halten auch wir über
die aufsuchende Jugendsozialarbeit Kontakt zu den Bewerbern Dadurch
erhalten wir eine Rückmeldung, wie die sozialpädagogischen
Interventionen angenommen worden sind und wie wirkungsvoll sie waren.
Für die jungen Menschen ist diese Kontinuität der Beziehung,
die über einzelne Lebens – bzw. Karriereabschnitte hinausgeht,
sehr wichtig.
Das Problem der Bildungsmaßnahmen ist, dass nach deren Beendigung
keine weitere Begleitung möglich ist. Die Razz Fazz Jugendberufshilfe
kann im Rahmen ihrer personellen Möglichkeiten diese Lücke
schließen.
7.0 Bottom- Up- Ansatz
Die Beratungs- und Vermittlungstätigkeit wird nur dann wirklich
erfolgreich verlaufen, wenn die Akteure aus der Verwaltung, den Verbänden
und der Politik die Aufgaben der Jugendberufshilfe unterstützen.
Es müssen "Runde Tische zur Jugendarbeitslosigkeit" im
Landkreis initiiert werden. Hier sollten neben den Vertretern der
zuständigen Ämter auch leitende Angestellte, Betriebsinhaber,
Vertreter der Kammern und der Politik teilnehmen. Ziel dieser runden
Tische ist es, die beteiligten Akteure für das Problem der Jugendarbeitslosigkeit
zu sensibilisieren und gemeinsam Lösungen zu entwickeln.
Im Rahmen der Initiative RazzFazz Jugendberufshilfe haben wir in
Zusammenarbeit mit den Diensten des Diakonischen Werkes des Kirchenkreises
Grafschaft Diepholz bereits mehrere Arbeitstreffen initiert.
Es ist der Aufbau des präventiven und kooperativen Netzwerkes
der mit diesen runden Tischen seine Anfang nehmen wird.
Herausgestellt werden muß die besondere Ausbildungs- und Arbeitsmarktsituation
für Benachteiligte, die auch besondere Anstrengungen erfordert,
damit die Jugendlichen im Rahmen ihrer Möglichkeiten die Chance
auf eine berufliche Zukunft erhalten.
Gerade die benachteiligten jungen Menschen sind potentiell gefährdet
in soziale Auffälligkeiten (Kriminalität, Drogenkonsum,
etc.) abzugleiten. Das kooperative und präventive Netzwerk ist
ein erfolgreich erprobtes Werkzeug in der arbeitsweltbezogenen Jugendsozialarbeit.
8.0 Der Kirchenkreis Grafschaft Diepholz als Träger der Jugendberufshilfe
Der Kirchenkreis Grafschaft Diepholz ist bereits Träger vieler
diakonischer Aufgaben. In den Zuständigkeitsbereich des Diakonischen
Werkes fallen die Aussiedlerberatung, die Schuldnerberatung, die
Suchtberatung, die Kirchenkreissozialarbeit und die Übernachtungsstelle.
Der Kirchenkreis ist weiterhin Träger des Kirchenkreisjugenddienstes,
des freiwilligen sozialen Jahres, des Jugendzentrums in Barnstorf
und stellt den Berufsschuldiakon für die beruflichen Schulen
des Landkreises Diepholz in Diepholz.
Mit diesem Angebot wird bereits ein weites Feld sozialer Aufgaben
abgedeckt, das durch die Jugendberufshilfe bereichert wird.
Die individuellen Probleme der Jugendlichen, die sich mit der Arbeitslosigkeit
ergeben, können so sehr zeitnah und auf kurzen Wegen bearbeitet
werden.
Der Kirchenkreis ist mit seinen unterschiedlichen Organen ein idealer
Multiplikator im Sinne des Bottom- Up Ansatzes. Viele Mitglieder
der Kirchengemeinden sind in zahlreichen Gremien vertreten und
potentielle Ausbildungsbetriebe und Arbeitgeber.
Ü
ber die Pastoren in den einzelnen Gemeinden haben wir einen Zugang
zu möglichen Schlüsselpersonen, die eine Lösung für
den einzelnen jugendlichen Bewerber ermöglichen können. Über
den Kirchenkreistag, die Pfarrkonferenz, die Kirchenvorstände
und den Kirchenkreisvorstand können viele Akteure aus den Verbänden,
der Verwaltung und den Parteien für den Aufbau des Netzwerkes
gewonnen werden.
8.1 Mitarbeiteraustattung
Die Mitarbeiter im Diakonischen Werk und der RazzFazz Jugendberufshilfe
sind Diplom- Sozialpädagogen bzw. Sozialarbeiter. Sie haben
weitereichende Kenntnisse in der Jugendarbeit und praktizieren einen
sicheren Umgang auch mit schwierigen Jugendlichen. Sie haben Erfahrung
in der Projektkoordination und Öffentlichkeitsarbeit.
9.0 Zusammenfassung
Die Jugendberufshilfe ist ein adäquates Instrument zur Schaffung
von Perspektiven für benachteiligte Jugendliche:
Die Vor- Ort- Beratung schafft Zugänge zu den jungen Menschen.
Die sozialpädagogische Diagnostik ermittelt die konkrete Lebenssituation
und ungelöste Lebensaufgabe. So kann eine realistische Perspektive
erarbeitet werden.
Der Infopool stellt die konkreten Möglichkeiten zum aktuellen
Zeitpunkt der Beratung dar.
Ü
ber die runden Tische werden die Akteure zur Zusammenarbeit aufgefordert
und damit weitere Möglichkeiten zur Umsetzung der individuellen
Perspektiven der Benachteiligten in der Region geschaffen.
Der biographische Ansatz der Arbeit stellt eine Begleitung der jungen
Menschen - auch über den aktuellen Lebensabschnitt hinaus -
sicher.
Die eigentliche Aufgabe heißt: Lebensmut vermitteln
und festen Boden unter die Füße der jungen Menschen schaffen.
Wir möchten allen beteiligten Akteuren für die bereits
geleistete Unterstützung danken.
Für die Konzeption B. v. Bodelschwingh.
Dipl. Soz. Päd.
Staatl. gepr. Landwirtschaftsleiter
Diepholz im August 2003
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