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Leistungsbeschreibung der RAZZ FAZZ
Jugendberufshilfe Diepholz für junge Leute

Eine Initiative des Kirchenkreises Grafschaft Diepholz

Razz Fazz Jugendberufshilfe

Projektbeschreibung eines neuen Beratungsansatzes

Razz Fazz Jugendberufshilfe
Eine Einrichtung des Ev. Kirchenkreises Grafschaft Diepholz


Die Razz Fazz Jugendberufshilfe ist ein vom dem Ev. Kirchen-
Kreis Grafschaft Diepholz gefördertes
Projekt zur beruflichen Integration junger
Menschen

Razz Fazz Mitarbeiter ist: B. v. Bodelschwingh, Dipl.- Sozialpädagoge

Razz Fazz wendet sich an: Jugendliche und junge Erwachsene, die

- Fragen und / oder Sorgen haben, über die sie
vertraulich sprechen möchten, - bisher noch keinen Ausbildungs- oder
Arbeitsplatz gefunden haben,
- arbeitslos sind,
- noch keine konkreten Vorstellungen über ihre
berufliche Zukunft haben.

Razz Fazz hilft durch:
- Bewertung der aktuellen Situation
- Klärung aktueller Probleme
- Unterstützung bei der Suche nach einem Aus-
bildungs- oder Arbeitsplatz, - Hilfe bei der Erstellung der Bewerbungs-
unterlagen,
- Üben von Vorstellungsgesprächen,
- eingehende Beratungsgespräche,
- sozialpädagogische Betreuung vor, während
und nach einer beruflichen Maßnahme.

Razz Fazz Partner sind: - das Arbeitsamt, Sonder-, Haupt- und berufs-
bildende Schulen, die Dienste des
Diakonischen Werkes, Arbeitgeber, freie
und öffentliche Träger der Jugendhilfe, außerbetriebliche Ausbildungsstätten,
Beratungsstellen für verschiedene
Problembereiche.

Razz Fazz Jugendberufshilfe für junge Menschen, Hinterstr. 10, 49356 Diepholz
Mo – Do 9.00 – 16.00, Fr 9.00 – 12.00 Tel.: 05441 545455, Fax 05441 545456
Internet: www.razzfazz-dh.de, e-mail: razzfazz4@hotmail.de

1.0 Problemstellung

Jugendarbeitslosigkeit erzwingt die besondere Aufmerksamkeit der Träger sozialer Dienstleistungen in der Gesellschaft und insbesondere der Kirchen. Eine Jugend ohne die Perspektive, daß das eigene Tun sinnstiftend ist, nachgefragt wird und damit Identifikation mit den eigenen Fähigkeiten und Chancen ermöglicht, wird stagnieren sich nicht entwickeln und den Nährboden für die Gefährdung des sozialen Friedens darstellen.

Arbeit gehört damit zu den Grundbedürfnissen des Menschen, die da sind :
Gemeinschaft, Wohnung, Nahrung, Erholung und Arbeit.
Man stelle sich diese Grundbedürfnisse wie ein Säulenmodell als ein Fundament vor. Ist eine dieser Säulen so beschädigt, daß sie wegbröckelt, so wird die Basis auf dem ein Mensch seinen Weg gehen kann, mit zahlreichen Schlaglöchern versehen.

Ein Mensch ohne Wohnung ist massiv in der Sicherung der weiteren Grundbedürfnisse behindert.
Das gilt im besonderen auch für die Arbeit.
Arbeit, als ein fundamentales Grundbedürfnis des Menschen, verdient es genauer betrachtet zu werden:
Frau Prof. Dr. Keil sagte anläßlich des Neujahrsempfangs 1999 der Stadt DH:
"Eigenverantwortung ist die Antwort, die Leben heißt. Sie ist immer Mitverantwortung.
Und das verlangt Arbeit. Arbeit in einem umfassenden Sinn: Wer sich nicht austauscht und auf die Dinge zu bewegt, die er braucht, wird sterben, sich nicht entwickeln, stagnieren.
Das körperliche Leben und Überleben braucht ebenso Arbeit wie das seelische, geistige und soziale Leben. In diesem Sinne ist unsere Lebensexistenz eine Arbeitsexistenz"

So beschränkt sich Arbeit nicht nur auf die Sicherung des Lebensunterhaltes, sondern ebenso auf die Erhaltung der sozialen Kontakte, der geistigen Arbeit, die eigene Möglichkeiten vor Augen führt und die seelische Arbeit, die das emotionale Gleichgewicht positiv beeinflussen hilft.
Die Arbeit zur Sicherung des Lebensunterhaltes steht in direkter Verbindung zum Erkennen der eigenen Stärken und Schwächen und dem psychischen und physischen Wohlbefinden.

Arbeit als Grundbedürfnis betrifft im besonderem Maße junge Menschen. Arbeit ist, wie eingangs erwähnt, nicht nur der Broterwerb, sondern gleichsam die Entwicklung einer eigenen Zukunftsperspektive. Ist die Planung der Perspektive durch unterschiedliche Faktoren behindert, wirkt sich dies sehr negativ auf die zu gestaltende Zukunft des Individuums aus.
Der junge Mensch verlernt es, seine eigenen Fähigkeiten auszuschöpfen. Mit jedem Tag, der er der Passivität ausgeliefert ist, verliert er die Fähigkeiten seiner Leistungskompetenz und wird zunehmend fremdbestimmt.

Benachteiligte Jugendliche sehen wir in diesem Zusammenhang in riskanten Lebenslagen.
Die Benachteiligung ist nicht an einem Hindernis festzuschreiben, wenngleich eine Problematik dominierenden Charakter aufweist.
In der Regel liegt eine Problembündelung vor:

- Problembeladenes Elternhaus,
- Schulverweigerung
- kein Schulabschluß
- Ausbildungsabbruch
- Suchtproblematik
- Erfahrungsarmut
- Unselbständigkeit
- Perspektivlosigkeit: Motivation und das Vertrauen in die eigenen Chancen und
Möglichkeiten werden verlernt.
- Institutionalisierung: Die Akzeptanz der Alimentierung vom Sozialstaat wird mit
fortdauernder Perspektivlosigkeit höher,
- Behinderungen: körperlich, geistig, seelisch
- sehr junge Elternschaft,
und vieles mehr.

Ein gemeinsames Merkmal benachteiligter junger Menschen ist ihre Erfahrungsarmut und ihre mangelnde soziale Kompetenz in fast allen Bereichen: sei es der Umgang mit Handwerkszeug und Werkstoffen, die Kenntnis der Natur, die Erfahrung von Familien- und Gruppenleben oder kreativer Beschäftigung.
Benachteiligte Jugendliche bringen hier Defizite mit, die sie in dem herkömmlichen dualen System der Ausbildung scheitern lassen.

Probleme, die sich ihnen auf ihrem Weg stellen, wird mit Lösungen begegnet, die nicht geeignet sind um in dem Arbeitsprozeß weiter zu bestehen.
Es werden eher destruktive Ansätze gewählt, die sich in den Bereichen des Konsumismus, der Gewaltbereitschaft, im Drogenkonsum und im Rechtsradikalismus wiederfinden.( vgl. Bojanowski 1995)

Jugendberufshilfe muß Unterstützung zur Bewältigung der anstehenden Anforderungen an den jungen Menschen auf seinem Weg zum eigenverantwortlich geführten Leben leisten.
Bewältigung soll dabei definiert werden: als das Bemühen sich mit einer fordernden Situation produktiv auseinanderzusetzen .( Hurrelmann, 1989)

In der eineinhalbjährigen Beratungstätigkeit sind insbesondere junge Menschen aufgefallen, die von sich aus nicht in der Lage sind, aktiv zu werden.
es sind junge Leute, ca 15 - 25 Jahre alt, die den Tag in der Regel vor dem Fernseher oder der Playstation verbringen.
Das bedeuted, das angesichts der erwähnten Defizite pädagogische Interventionen notwendig werden, die das Ziel verfolgen, die Beeinträchtigungen im Entwicklungsprozeß aufzuheben. Die Interventionen sollen die personale und die soziale Identität sichern. das heißt: Unterstützung muß beim Aufbau der indiviuduellen Persönlichkeitsstruktur sowie bei der
Aneignung einer anerkannten gesellschaftlichen Mitgliedsrolle geleistet werden.
Die Jugendlichen brauchen Hilfe in der Ausbildung der sozialen Kompetenzen:
- der Leistungskompetenz. insbes. die schulischen und beruflichen Fertigkeiten,
- die Interaktionskompetenz: insbes. der Aufbau sozialer Beziehungen,
- die politische Kompetenz; insbes.. der Aufbau der politischen werte und Normen,
- der Konsumkompetenz: insbes. die Nutzung des Konsumwaren- und kulturellen Freizeitmarktes.

Hier ergibt sich eine strukturelle Spannung:

Benachteiligte junge Menschen haben einen relativ hohen Autonomiegrad in den Konsumkompetenzen, während sie einen niedrigen Autonomiegrad bei der Sozial-, Politik-, und Leistungskompetenz aufweisen.
Dies wird noch verstärkt durch die drohende Blockierung während des Übergangs in die zentrale Rolle des Erwerbstätigen.

Durch die eingeschränkten Handlungskompetenzen werden untaugliche Problemlösungen angestrebt, die unter Umständen zu dissozialem Verhalten führen.

Besonders problematisch gestaltet sich unter diesen Gesichtspunkten der Übergang von der Schulzeit in die Berufslaufbahn. In dieser Phase sind benachteiligte junge Menschen auf Unterstützung angewiesen.

Das Interventionspotential stützt sich auf zwei Säulen:
Die individuelle Fähigkeit des Jugendlichen sich mit den Lebensanforderungen und Belastungssituationen konstruktiv auseinanderzusetzen und
die soziale Unterstützung, d.h. die verfügbaren Ressourcen der Umwelt die durch Familie, Freunde und professionelle Beratung geleistet werden kann.

2.0 Zielgruppe

Arbeitslose junge Menschen im Südkreis Diepholz

Im Landkreis Diepholz waren im Dezember 1999 Diepholz ca.650 junge Menschen unter 25 Jahre von Arbeitslosigkeit betroffen. ( Statistik des Arbeitsamtes Nienburg) Dies sind ca 9,5 % aller Arbeitslosen im Landkreis. Dem Sozialamt des Landkreises sind zum 01. April 2000 607 junge Menschen von 16 – 25 Jahren bekannt. 512 beziehen Hilfe zum Lebensunterhalt. ( Auswertung des Landkreises Diepholz, Herr Kiwitt)

Die jungen Menschen sind oft mit vielen Problemen belastet, die eine Arbeitsaufnahme oder den Beginn einer Ausbildung behindern.

In der Razzfazz Jugendberufshilfe haben wir eine Statistik zusammengestellt, die deutlich macht, dass ein Großteil der jungen Menschen Vermittlungshemmnisse auf weist:

2.1 Die soziale Problematik der Bewerber


Jede, jeder hat einen sehr individuellen Lebenslauf, der sehr individuelle Beratung notwendig macht.

3.0 Handlungsbedarf

Handlungsbedarf besteht angesichts dieses enormen Bedarfes.
Die sich ergebenden Aufgabenfelder lassen sich folgendermaßen definieren:

3.1 Aufsuchen:
Zentrales Moment der Jugendberufshilfe ist die aufsuchende Arbeit. Es geht darum junge Menschen in den allgemeinbildenden und berufsbildenden Schulen, den Jugendzentren und Treffs direkt anzusprechen und so Zugänge zu ihnen zu erarbeiten.

3.2 Beraten:
Mit den jungen Menschen werden die persönlichen Ziele definiert und Lösungsmöglichkeiten beraten

3.3 Begleiten:
Die jungen Menschen werden im Rahmen der Einzelfallhilfe auf ihren neuen Wegen unterstützt.


4.0 Ziele:

Die Jugendberufshilfe versteht sich als arbeitsweltbezogene Jugendsozialarbeit.
Die Suche nach dem geeigneten Weiterbildungs- Ausbildungs-, oder Arbeitsplatz steht im Vordergrund. Wie bereits eingangs erwähnt, hat dies maßgebliche Auswirkung auf die Verbesserung des persönlichen Wohlbefindens, der Handlungskompetenz und des Selbstwertgefühls des Jugendlichen.
Ziel ist aber auch: sozial effektive Rahmenbedingungen zu schaffen durch ein präventives und kooperatives Netzwerk.
D.h. Zusammenführen der an der Jugendarbeit beteiligten Akteure mit den Vertretern Schulen, Kreisverwaltung, der Arbeitsverwaltung, den Verbänden, und den sozialen Dienstleistungen.


5.0 Inhalte, Methoden

5.1 Aufsuchende Jugendsozialarbeit
Die aufsuchende Arbeit ist das Medium der Jugendberufshilfe. Es ist ein bewußt sehr niedrigschwelliges Angebot. Die Vor- Ort- Beratung schafft zusätzliche Zugänge zu den besonders benachteiligten jungen Menschen. Damit können sie zu einer aktiven Mitarbeit zur Erarbeitung einer Berufperspektive nachhaltig aufgefordert werden.

5.2 Sozialpädagogische Diagnostik
Die Jugendberufshilfe ist ein neutrales Angebot. Die Mitarbeiter unterliegen der Schweigepfilcht. So kann mit den jungen Menschen über die zentralen Probleme und Hemmnisse gesprochen werden, ohne dass für sie daraus Nachteile entstehen könnten. Damit lässt sich ein genaues Bild des Ist - Zustandes entwickeln.
Ziel der Diagnostik ist es, greifende pädagogische Entscheidungen für den einzelnen jungen Menschen zu gestalten. Im Umgang mit dem Betroffenen ergibt sich damit die Möglichkeit Hinweise zu erhalten, in welcher konkreten Lebenssituation und mit welcher ungelösten Lebensaufgabe ein junger Mensch belastet ist.

5.3 Erarbeitung einer Perspektive
Zusammen mit dem Jugendlichen wird ein Förderplan erstellt, der die Ergebnisse der Diagnostik aufgreift und eine individuelle Perspektive aufzeigt.
Dies kann der Beginn einer Ausbildung sein mit Unterstützung des Arbeitsamtes und einer Jugendwerkstatt aber auch der Weg in eine Maßnahme des Arbeitsamtes mit begleitender Unterstützung in dieser Zeit oder die konkrete Suche mit Hilfe des Arbeitsamtes nach einem Arbeitsplatz z. B. im Bereich der Produktionshelfer.
Das Arbeitsamt mit seinen Möglichkeiten zur Eingliederung in das Ausbildungs- und Beschäftigungssystem übernimmt in diesem Prozeß eine zentrale Funktion.
In der ersten Gesprächen durchlaufen die jungen menschen ein Motivationstraining:

5.3.1. Selbständigkeit zurückgewinnen
Es ist uns wichtig, den jungen Menschen die Freude an Leistung aus eigener Kraft, am eigenen Tun zu vermitteln. Die jungen Menschen werden aufgefordert, ihren Lebensunterhalt mit den eigenen Händen zu erarbeiten. Wir verdeutlichen ihnen die persönliche Autonomie, die mit einem Arbeitsplatz verbunden ist. Es geht uns darum Fenster zu öffnen, den jungen Menschen zu zeigen, daß es alternativ zur staatlichen Unterstützung möglich ist, ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Diese Fenster sind z.B. Gespräche mit jungen Menschen, die es geschafft haben sich in ihrem Beruf zu etablieren.. Ein solches Fenster können aber auch Menschen sein, die in dem anvisierten Beruf arbeiten. Besondere Berücksichtigung messen wir der Verdeutlichung der eigenen Leistungsfähigkeit bei, die z.B. in durchlaufenen Maßnahmen des Arbeitsamtes nachgewiesen wurde.


5.3.2 Entwicklung von Perspektiven
In dieser Phase ermuntern wir die Bewerber, Lebensziele zu benennen und zu visualisieren. Wir fordern sie auf, sich in ihren Berufswunsch hineinzuversetzen und ihn zu beschreiben. Wie sehen sie sich mit diesem Ziel in der Zukunft, wie realistisch ist dieser Beruf, wie kommt man dorthin.

5.3.3 Verdeutlichung des Ist Zustandes
Es ist uns wichtig, den jungen Menschen ihren derzeitigen Standpunkt klarzumachen. Es muß ihnen klar werden, in welcher konkreten Lage sie sich befinden. Wir besprechen die derzeitigen Lebensumstände und bewerten die Situation.

5.3.4 Erste Schritte
An diesem Punkt klären wir, was ganz konkret unternommen werden muß, um sich dem benannten Ziel zu nähern. Dies sind in der Regel sehr kleine Schritte, beispielsweise zunächst der Besuch im Büro der Jugendberufshilfe, der aus eigenem Antrieb zu einem festen Termin erfolgt. Erst jetzt können wir konkrete Schritte zur Wiederherstellung der Möglichkeit einer Arbeitsaufnahmne angehen. Dies ist die z. B. die Sicherung der Wohnung, der Kontakt zur Schuldnerberatung, die Zusammenarbeit mit der Suchtberatung.
Erst wenn Bewegung in diesen Prozeß gekommen ist und sich erste Erfolge zeigen, beginnen wir mit der eigentlichen Umsetzung der notwendigen Schritte zur Realisierung der beruflichen Perspektive.

Die Motivation junger Menschen nimmt einen besonderen Raum in der Beratungstätigkeit ein. Die Eigenmotivation ist die entscheidende Kraft, die die jungen Menschen vorantreibt. Unsere Aufgabe ist es, sie hier besonders zu stärken.

6.0 Biographischer Ansatz

Das besondere Merkmal der Jugendberufshilfe ist die Unabhängigkeit. Daher ist es möglich die jungen Menschen über einen langen Zeitraum zu begleiten. Dies kommt insbesondere dann zum Tragen, wenn eine Bildungsmaßnahme des Arbeitsamtes beendet ist und zu diesem Zeitpunkt noch keine neue Anschlussperspektive besteht. So haben wir die Möglichkeit eine berufliche Karriere zu planen und uns dabei verschiedenster Möglichkeiten zu bedienen. Dies können Berufs – und Betriebserkundungen sein, kurze Praktika, Berufsbildungsmaßnahmen im Rahmen der Bildungsträger, und der Beginn eines Ausbildungs- oder sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnisses.

Darüber hinaus ermöglicht dieser Beratungsansatz die persönlichen Schwierigkeiten der jungen Menschen genau zu analysieren und gemeinsam nach geeigneten Lösungswegen zu suchen. Seit ca zwei Jahren besteht das Angebot der Jugendberufshilfe. Viele der jungen Menschen, die angesprochen werden konnten, kommen immer wieder gerne zu uns, um von ihren positiven oder negativen Erfahrungen in ihrer jetzigen Situation zu berichten. Natürlich halten auch wir über die aufsuchende Jugendsozialarbeit Kontakt zu den Bewerbern Dadurch erhalten wir eine Rückmeldung, wie die sozialpädagogischen Interventionen angenommen worden sind und wie wirkungsvoll sie waren. Für die jungen Menschen ist diese Kontinuität der Beziehung, die über einzelne Lebens – bzw. Karriereabschnitte hinausgeht, sehr wichtig.
Das Problem der Bildungsmaßnahmen ist, dass nach deren Beendigung keine weitere Begleitung möglich ist. Die Razz Fazz Jugendberufshilfe kann im Rahmen ihrer personellen Möglichkeiten diese Lücke schließen.


7.0 Bottom- Up- Ansatz

Die Beratungs- und Vermittlungstätigkeit wird nur dann wirklich erfolgreich verlaufen, wenn die Akteure aus der Verwaltung, den Verbänden und der Politik die Aufgaben der Jugendberufshilfe unterstützen.
Es müssen "Runde Tische zur Jugendarbeitslosigkeit" im Landkreis initiiert werden. Hier sollten neben den Vertretern der zuständigen Ämter auch leitende Angestellte, Betriebsinhaber, Vertreter der Kammern und der Politik teilnehmen. Ziel dieser runden Tische ist es, die beteiligten Akteure für das Problem der Jugendarbeitslosigkeit zu sensibilisieren und gemeinsam Lösungen zu entwickeln.
Im Rahmen der Initiative RazzFazz Jugendberufshilfe haben wir in Zusammenarbeit mit den Diensten des Diakonischen Werkes des Kirchenkreises Grafschaft Diepholz bereits mehrere Arbeitstreffen initiert.
Es ist der Aufbau des präventiven und kooperativen Netzwerkes der mit diesen runden Tischen seine Anfang nehmen wird.
Herausgestellt werden muß die besondere Ausbildungs- und Arbeitsmarktsituation für Benachteiligte, die auch besondere Anstrengungen erfordert, damit die Jugendlichen im Rahmen ihrer Möglichkeiten die Chance auf eine berufliche Zukunft erhalten.
Gerade die benachteiligten jungen Menschen sind potentiell gefährdet in soziale Auffälligkeiten (Kriminalität, Drogenkonsum, etc.) abzugleiten. Das kooperative und präventive Netzwerk ist ein erfolgreich erprobtes Werkzeug in der arbeitsweltbezogenen Jugendsozialarbeit.


8.0 Der Kirchenkreis Grafschaft Diepholz als Träger der Jugendberufshilfe

Der Kirchenkreis Grafschaft Diepholz ist bereits Träger vieler diakonischer Aufgaben. In den Zuständigkeitsbereich des Diakonischen Werkes fallen die Aussiedlerberatung, die Schuldnerberatung, die Suchtberatung, die Kirchenkreissozialarbeit und die Übernachtungsstelle.
Der Kirchenkreis ist weiterhin Träger des Kirchenkreisjugenddienstes, des freiwilligen sozialen Jahres, des Jugendzentrums in Barnstorf und stellt den Berufsschuldiakon für die beruflichen Schulen des Landkreises Diepholz in Diepholz.
Mit diesem Angebot wird bereits ein weites Feld sozialer Aufgaben abgedeckt, das durch die Jugendberufshilfe bereichert wird.
Die individuellen Probleme der Jugendlichen, die sich mit der Arbeitslosigkeit ergeben, können so sehr zeitnah und auf kurzen Wegen bearbeitet werden.


Der Kirchenkreis ist mit seinen unterschiedlichen Organen ein idealer Multiplikator im Sinne des Bottom- Up Ansatzes. Viele Mitglieder der Kirchengemeinden sind in zahlreichen Gremien vertreten und potentielle Ausbildungsbetriebe und Arbeitgeber.
Ü ber die Pastoren in den einzelnen Gemeinden haben wir einen Zugang zu möglichen Schlüsselpersonen, die eine Lösung für den einzelnen jugendlichen Bewerber ermöglichen können. Über den Kirchenkreistag, die Pfarrkonferenz, die Kirchenvorstände und den Kirchenkreisvorstand können viele Akteure aus den Verbänden, der Verwaltung und den Parteien für den Aufbau des Netzwerkes gewonnen werden.


8.1 Mitarbeiteraustattung

Die Mitarbeiter im Diakonischen Werk und der RazzFazz Jugendberufshilfe sind Diplom- Sozialpädagogen bzw. Sozialarbeiter. Sie haben weitereichende Kenntnisse in der Jugendarbeit und praktizieren einen sicheren Umgang auch mit schwierigen Jugendlichen. Sie haben Erfahrung in der Projektkoordination und Öffentlichkeitsarbeit.


9.0 Zusammenfassung

Die Jugendberufshilfe ist ein adäquates Instrument zur Schaffung von Perspektiven für benachteiligte Jugendliche:
Die Vor- Ort- Beratung schafft Zugänge zu den jungen Menschen.
Die sozialpädagogische Diagnostik ermittelt die konkrete Lebenssituation und ungelöste Lebensaufgabe. So kann eine realistische Perspektive erarbeitet werden.
Der Infopool stellt die konkreten Möglichkeiten zum aktuellen Zeitpunkt der Beratung dar.
Ü ber die runden Tische werden die Akteure zur Zusammenarbeit aufgefordert und damit weitere Möglichkeiten zur Umsetzung der individuellen Perspektiven der Benachteiligten in der Region geschaffen.
Der biographische Ansatz der Arbeit stellt eine Begleitung der jungen Menschen - auch über den aktuellen Lebensabschnitt hinaus - sicher.

Die eigentliche Aufgabe heißt: Lebensmut vermitteln
und festen Boden unter die Füße der jungen Menschen schaffen.

Wir möchten allen beteiligten Akteuren für die bereits geleistete Unterstützung danken.

Für die Konzeption B. v. Bodelschwingh.

Dipl. Soz. Päd.
Staatl. gepr. Landwirtschaftsleiter

Diepholz im August 2003

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